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Anfang der Aktionspotential-Kette

Bio123

Einfacher Mehrzeller
#1
In der Schule habe ich gelernt, dass ein bestimmter Impuls/Reiz über die Nervenbahnen in Form von ausgelösten Aktionspotentialen weitergeleitet wird. Bei dem Beispiel Auge kann ich die Entstehung des Aktionspotentials nachvollziehen. Das Licht erregt die Stäbchen (und/oder Zäpfchen?), was eine Auslösung des Aktionspotentials zur Folge hat.
Wenn ich aber nun auf meinem Stuhl sitze und entscheide, dass ich die rechte Hand heben möchte, wird auch dieser Befehl in Form von ausgelösten Aktionspotentialen bis zum Muskel weitergeleitet.
Was aber löst in diesem Fall das erste Aktionspotential (in meinem Gehirn) aus, das eine Auslösung aller weiteren Aktionspotentiale zur Folge hat?
 

Joffi

Moderator
Moderator
#2
Der liebe Gott :)

Ne, also: Du musst Dir vorstellen, dass in Deinem Gehirn zu keinem Zeitpunkt Stille herrscht, in die jetzt ein erstes Aktionspotential hineinfeuert. In jeder Sekunde feuern in Deinem Kopf abertausende Neuronen hin- und her. Die Entscheidung, die rechte Hand zu heben, ist bereits ein unglaublich kompliziertes Muster aus neuronaler Aktivität, aus der sich dann der Befehl für deine Armmuskeln löst.
 

Bio123

Einfacher Mehrzeller
#3
Gut, dachte ich mir auch, dass das in etwa so sein muss. Ich habe also die ganze Zeit eine bestimmte Neuronenaktivität in meinem Gehirn. Da die Summe dieser Aktivitäten mein Bewusstsein bildet und das Gehirn meine höchste "Entscheidungsinstanz" darstellt, kann ich selber nicht über die Neuronenaktivität rückwirkend bestimmen. Ist es dann nicht viel mehr purer Zufall (der durch bestimmte gelernte Verhaltensmuster geordnet wird), welche weiteren Neuronen durch die bereits aktiven angeregt werden?
 

Joffi

Moderator
Moderator
#4
Ich muss gestehen, dass ich Deiner logischen Kette nicht bis ans Ende folgen konnte, aber ich fang mal so an: Zufall gibts schon mal nicht :) Es gibt sicherlich Systeme, deren kausale Zusammenhänge für uns zu kompliziert zum verstehen sind und die dann zufällig aussehen (wie Millionen von Neuronen, die jeweils hunderte Synapsen bilden und fröhlich vor sich hin feuern). Dennoch feuert da niemand, der keinen guten Grund dazu hatte und umgekehrt.
 

Bio123

Einfacher Mehrzeller
#5
Die gesamte Neuronenaktivität im Gehirn formt das Bewusstsein: was man denkt, fühlt, wahrnimmt, usw.
Wenn man jetzt einen Entschluss fasst (bspw. das Heben der rechten Hand) kann das ja nur über die Auslösung weiterer Aktionspotentiale geschehen. Da wir aber keine Entscheidungsgewalt über die Neuronen in unserem Gehirn haben, da ihre Gesamtheit ja unser Bewusstsein bzw. unseren "Willen" bildet, können nur die bereits aktiven Neuronen auf andere Neuronen einwirken. Es ist also eine ständige Reaktion auf bereits bestehende Reize (Die Form der Reaktion wird durch gelernte Verhaltensmuster bestimmt). Das würde bedeuten, dass eine jede Neuronenaktivität nur eine Reaktion auf eine bereits bestehende ist. Der Mensch würde also nur reagieren (und zwar in bestimmter, gelernter Form) und nie agieren, was die menschliche Autonomie in Frage stellt. Zugegeben, das wird jetzt ein bisschen philosophisch.
 

Joffi

Moderator
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#6
Also es ist ein bißchen komplizierter, weil es neben den Kategorien aktiv/inaktiv auch noch aktivierende und inhibierende Aktivität gibt. Und das Ganze noch mit einem Haufen verschiedener Transmitter usw. usw.
Für Deine spezielle Frage scheint mir das aber unerheblich, denn man könnte Deine Punkte einkochen auf die eine einfache und uralte Frage: Gibt es einen freien Willen angesichts einer kausalen Welt (Determinismus)? Wenn alles nur Aktion und Reaktion ist, dann ist das auch in meinem Kopf so und eine wirklich freie Entscheidung gäbe es nicht. Über diese philosophische Frage haben sich schon viele große Geister ausgelassen, eine ganz grobe Übersicht findest Du bei Wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille
http://de.wikipedia.org/wiki/Determinismus

Geht das in die Richtung Deiner Frage?
 

Bio123

Einfacher Mehrzeller
#7
Ja, ich habe nur in die andere Richtung gedacht: Wenn man beweisen könnte, dass sämtliche Neuronenaktivitäten im Gehirn nur die Reaktion auf andere, bereits bestehende Neuronenaktivitäten sind, würde das bedeuten, dass der Mensch sich nie frei entscheiden kann und sein Handeln somit vorherbestimmt ist.