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Befruchtung und Zeugung

Georg Reischel

Säugetier: Marsupialia
Was ist beim Eintreten des Spermiums in die Eizelle der befruchtende und/oder der zeugende Vorgang?
 

Anna Meier

Einfacher Vertebrat
Hey,

ist das nicht die Verschmelzung von Samen- und Eizelle? Dabei kommt es dann zur Verschmelzung der haploiden Chromosonsätze, wodurch der diploiden Chromosomensatz entsteht. Glaube aber ich verstehe deine Frage nicht ganz. :D

Liebe Grüße
 

Georg Reischel

Säugetier: Marsupialia
Die Frage ist, ob bei der Vereinigung von Eizelle und Spermium eine Befruchtung der Eizelle (durch das Spermium) und eine Zeugung des Kindes (durch den Mann) stattfindet? Beobachten kann man nur das, was du oben beschrieben hast, auch wenn ich den Begriff Verschmelzung vermeiden würde.
 

cigouri

Säugetier: Eutheria
Die Befruchtung gliedert sich eigentlich in drei Teilabschnitte.

Erster Schritt: Kapatization der Spermien. Die nach der Ejakulation in den weiblichen Genitaltrakt gelangten Spermatozoen durchlaufen in der Tuba uterina (Eileiter) einen Reifeprozess, diesen bezeichnet man als Kapatization. Beim Menschen dauert dieser Prozess zwischen 4 und 6 Stunden. Durch bestimmte Enzyme, die von Zellen der tuba uterina produziert werden, kommt es zu Veränderungen bei den Glycoproteinen der Spermien-Zellmembran, bzw. genauer gesagt eines bestimmten Teils der Spermien-Zellmembran- der sogenannten äußeren Akrosomenmembran. Diese Veränderungen sind die Voraussetzung für Schritt 2.

Zweiter Schritt: Akrosomen-Reaktion. Das durch die zuvor stattgefundene intratubale Spermienkapatization aktivierte Akrosom (das ist eine aus Proteinen bestehende Struktur im Spermienkopf, sie hat zwei Membranen - eine äußere und eine innere Akrosomenmembran) nimmt Kontakt mit der sogenannten Zona Pellucida der Eizelle auf (ohne zuvor stattgefundene Kapatization wäre dies nicht möglich, eigentlich werden die Spermien durch die Schleimhaut der Tuba uterina überhaupt erst mal aktiviert, das heißt dazu befähigt überhaupt mit der Eizelle in Kontakt zu treten). Die Zona pellucida ist eine Art Schutzhülle, welche die Eizelle umgibt. Sie besteht aus Glycoproteinen, die der Zellmembran der Eizelle aufgelagert sind. Dabei wird zunächst die äußere Akrosomenmembran porös und bestimte Inhalte des Akrosoms werden lokal freigesetzt. Einer der Inhaltsstoffe des äußeren Akrosoms ist das Enzym Hyaluronidase. Diese Hyaluronidase löst dann den vorderen Teil des Spermienkopfes auf und auch die Glycoproteine der Zona pellucida und last but not least auch die innere Akrosomenmembran. Dadurch wird das Enzym Akrosin freigesetzt. Das Akrosin ist eine Protease (also ein Protein-abbauendes Enzym). Dadurch wird dann die Fusion der inneren Akrosomenmembran des Spemiums mit der Membran der Eizelle bewirkt (Verschmelzung von Eizell- und Spermienmembran). Gleichzeitig wird die Membran der Eizelle so verändert, dass weitere Akrosomen-Reaktionen durch andere Spermien nicht mehr stattfinden können.

Dritter Schritt: Konzeption bzw. Fertilisation (also die eigentliche Befruchtung). Dieser Schritt ist die eigentliche Befruchtung. Der sogenannte männliche Vorkern tritt aus dem Spermienkopf aus gelangt ins Cytoplasma der Eizelle und wandert zum weiblichen Vorkern. Die beiden haploiden Vorkerne verschmelzen zum diploiden Zygotenkern.

Eigentlich gibt es also zwei „Verschmelzungen“ einmal die Membranverschmelzung im Zuge der Akrosomen-Reaktion und dann die Verschmelzung des männlichen haploiden Vorkerns mit dem weiblichen haploiden Vorkern zum Diploiden Zygotenkern.

Erst durch die Kernverschmelzung entsteht ein diploider Zygotenkern Dieser teilt sich dann rasch und schließlich entsteht dadurch ein Embryo.

Begriffe wie „Verschmelzung“ sind eigentlich zur exakten Beschreibung dieses Prozess unvermeidbar (es gib ja sogar zwei verschiedenen Arten von Verschmelzung).

Die Zeugung eines Kindes ist eigentlich das Endresultat einer erfolgreichen Befruchtung.

Es wird zwar oft so formuliert, aber eigentlich findet eine „Zeugung durch den Mann“ nicht wirklich statt. Weil zur Zeugung eines Kindes immer ein Mann Und eine Frau notwendig sind. Der Begriff „Zeugung“ bzw. „Zeugung durch den Mann“ wird wahrscheinlich deswegen gebraucht, weil die Menschen früher glaubten, ein Kind stamme nur vom Mann ab und die Frau sei lediglich eine Art „Brutgefäß“ für das vom Vater „gezeugte“ also „erzeugte“ Kind (es gibt sogar- heutzutage belächelte- Illustrationen aus der frühen Renaissance als es schon einfache Lichtmikroskope gab, die Spermien als sogenannte "Homuncili" darstellen, da ist dann im Spermienkopf schon ein klitzekleines Männlein oder Weiblein drin).

Das ist falsch, da ein Kind immer ein „Gemeinschaftsprodukt“ von Mann und Frau ist. Der Begriff "Zeugung" hat sich aber bis heute gehalten.
Wenn man sich darüber im Klaren ist, dass es keine "Zeugung" einzig und allein durch den Mann gibt, könnte man aber meiner Meinung nach vielleicht sagen. Die Befruchtung ist, wenn der männliche Vorkern in die Eizelle eindringt und die Zeugung des Kindes findet dann statt, wenn der männliche und der weibliche Vorkern zum Zygotenkern fusionieren.
 
zuletzt editiert:

Georg Reischel

Säugetier: Marsupialia
Ersteinmal ohne Verlinkung der entsprechenden Beispiel - Seiten.

- Befruchtungshügel der Eizelle.

- Die Phagozytose des Spermiums durch die Eizelle.

- Die noch fehlende Beendigung der zweiten Reifeteilung der Eizelle.

- Die Verpackung des haploiden Chromosomensatzes des Spermiums durch Protaminmoleküle.

- Das Eintreten der epigenetischen Reprogrammierung der Gene direkt nach der Vereinigung von Eizelle und Spermium.

- Die Zygote hat zwei diploide Genome, da die haploiden Chromoomensätze getrennt voneinander repliziert werden.

- Die beiden haploiden Chromosomensätze im diploiden Genom der Zygote sind “ungleichmässig“ aufgrund der noch laufenden epigenetischen Reprogrammierung.

- Die genetischen Wirkungen des embryonalen Genoms beginnen erst im 4 - 8 Zellstadium.

- Maternale Effekte.

Dir Befruchtung und Zeugung, so man diese Begriffe benutzen will, werden nicht in der Zygote zum Abschluss gebracht.
 
D

Deleted member 3788

Gast
Der gesamte Vorgang der Befruchtung wird heutzutage immer noch aus ausschließlich männlicher Sicht interpretiert. Allein die Bezeichnung des Spermiums als Same steckt so sehr in den Köpfen, dass von "Samenbanken" die Rede ist, wenn es in Wahrheit Spermienbanken sind. Dabei steht der Status Same der Eizelle zu, denn in ihr ist bereits alles angelegt, damit neues Leben keimen kann. Insofern ist das Spermium keine Keimzelle. Das Spermium kann mit einem Pollen verglichen werden und es ist noch nicht einmal eine vollständige Zelle, da ihm das Zytoplasma fehlt. Da das Leben aus Zellen durch Zellteilung erwächst und auch die angeblich geschlechtliche Fortpflanzung davon keine Ausnahme bildet, ist es zudem völlig überflüssig und redundant, den Vorgang der Entstehung neuen Lebens auf die Ebene der Organismen zu heben. Dass dem Vater hier immer noch die aktive zentrale Rolle zugeschrieben wird, ist genau den o. g. veralteten Vorstellungen geschuldet, die aber bis heute nicht infrage gestellt werden. Schon nach der ersten Zellteilung existiert im Embryo vom männlichen Individuum, das sich später Vater nennt, nicht ein einziges Molekül. Es kann also gesagt werden, dass es gar keine geschlechtliche Fortpflanzung gibt.
 
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