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Ernst Haeckels Rekapitulationstheorie - Geltung unter modernen genetischen Gesichtspunkten?

Wernher

Einzeller
#1
Guten Tag, ich bin auf der Suche nach einer Antwort auf eine Frage zu Ernst Haeckels biogenetischem Grundgesetz (Rekapitualationstheorie), allerdings unter dem spezifischen Blickwinkel einer modernen Deutung.
Diese Regel („Die Ontogenese rekapituliert die Phylogenese") wurde und wird kontrovers kommentiert. Die Ansichten gehen dabei von "absolut wiederlegt" bis "unter Geltung bestimmter Einschränkungen nach wie vor aktuell". Nun würde mich als (biologischer, genetischer und evolutionswissenschaftlicher Laie), nachdem ich folgende Pressemitteilung las, etwas besonders interessieren.

Hier zunächst die Mitteilung: "Forscher der US-Universität Yale haben im Labor die Entwicklung von Dinosauriern zu modernen Vögeln nachvollzogen: Wie die Hochschule in einer Pressemitteilung schrieb, wurden Hühner-Embryos erfolgreich genetisch so manipuliert, dass ihnen anstatt eines Schnabels eine Schnauze wuchs. Die Neuzüchtung erinnere an kleine Dinosaurier wie den Velociraptor oder den Flugsaurier Archaeopteryx" (http://www.focus.de/wissen/natur/pa...er-embryos-mit-dino-schnauzen_id_4682165.html).

Wenn also die Fähigkeit, ein Gebiss auszubilden, bis heute im Erbgut von Hühnern schlummert, dann kommt mir in Verbndung mit Haeckels Regel folgender Gedanke: die Ontogenese muss die Phylogenese womöglich nicht zwingend "mikroskopisch sichtbar" (im Sinne von faktisch, real) rekaputulieren, könnte dies es aber in ihrem genetischen Potenzial gewissermaßen schon. Sonst könnte eine reine Genmanipulation (also kein Hinzufügen fremder Gene, sondern nur die Manipulation der vorhandenen) doch keine physiologisch längst untergegangenen Artmerkmale zur Folge haben. Die Regel könnte so gesehen ja lauten: „Die Ontogenese hat das genetische Potenzial, die Phylogenese zu rekapitulieren".

Liege ich mit diesem Verständnis sehr weit daneben?
Vielen Dank für alle fachlich anregenden Beiträge, auf die ich sehr gespannt bin!
 
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