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Low-Carb-Diäten und Ketose

nutri

Einzeller
#1
Hallo zusammen,

ich bin kein Biologe, Mediziner oder Ernährungswissenschaftler, muss aber einen Artikel über Low-Carb-Diäten schreiben. Dazu habe ich eine Frage, genauer gesagt zur Ketose. Wie diese funktioniert, habe ich rudimentär verstanden: Fehlen dem Körper Kohlenhydrate bzw. Glucose, stellt er in der Leber aus gespeicherten Fettsäuren Ketonkörper her, die als Ersatz-Energieträger fungieren.

Was ich nicht verstehe ist, warum der Körper nicht hauptsächlich das verzehrte Fett und Eiweiß zu Energiegewinnung nutzt, sondern das gespeicherte Körperfett. Jedenfalls scheinen mir Berichte darauf hinzudeuten, dass man bei einer radikalen Low-Carb-Ernährung Körperfett verliert, auch wenn man sich nicht in einem Kaloriendefizit befindet. Oder anders: Dass man trotz eines hohen Kalorienüberschusses kein Fett ansetzt, wenn die Kalorien aus Fett und Eiweiß und nicht bzw. kaum aus Kohlenhydraten bestehen (vgl. http://live.smashthefat.com/why-i-didnt-get-fat/)

Warum ist das so?

Oder liege ich da falsch und man nimmt mit Low-Carb nur dann ab, wenn auch ein Kaloriendefizit vorliegt?

Und: Wie werden verspeiste Fette und Eiweiße überhaupt zu Energie?

Ich hoffe, meine Fragen werden klar? Sonst bitte Bescheid geben, ich formuliere dann um :-D
 

Joffi

Moderator
Moderator
#2
Kommt wahrscheinlich zu spät, aber vielleicht interessiert das Thema ja auch andere. Das wichtigste zuerst: Eine Verringerung der Körpermasse bzw. des Fettgehalts ist nur und ausschließlich bei negativer Energiebalance möglich. Keine Diät der Welt und kein Wirkstoff kann das ändern, das ist Thermodynamik, die kann man nicht überlisten. Wenn jemand abnimmt, dann nimmt er weniger Energie auf, als er umsetzt. Die Low-Carb-Diät funktioniert dabei ähnlich gut wie andere Diäten auch (auch ähnlich gut wie eine Low-Fat-Diät; C.D. Gardner et al., JAMA 319(7), 2018), entscheidend ist, dass die gewählte Diät durchgehalten wird (und damit kann die Low-Carb-Diät spezifisch für eine bestimmte Person besser sein als eine andere und umgekehrt).

Zur Ketose gibt es zwei Aspekte: 1. Nicht jedes Organ kann seinen Energiebedarf mit Fettsäuren bestreiten, allen voran kann das Gehirn das nicht. Darum verteidigt der Körper bis zuletzt seinen Blutzuckerspiegel, indem er bei fehlenden Kohlhydraten in der Nahrung Zucker selbst herstellt (v.a. in Leber und Nieren, geht aber nicht aus Fettsäuren) und Ketonkörper bereitstellt (die kann das Gehirn auch mampfen). 2. Ohne Kohlenhydrate kann der Zitratzyklus nicht volle Pulle laufen um das Acetyl-CoA aus der beta-Oxidation zu verarbeiten, der Überschuss landet in Ketonkörpern.
 
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