BSE ("Rinderwahnsinn")
BSE ("Rinderwahnsinn")
BSE ist die Abkürzung von "Bovine, spongiforme Enzephalopathie". "Bovine" bedeutet Rind, "spongiform" heißt soviel wie schwammartig und beschreibt damit den Umstand, dass das Hirngewebe betroffener Tiere am Ende der Erkrankung oft von zahlreichen Löchern geradezu schwammartig durchsetzt ist ("Enzephalopathie" heißt Erkrankung des Gehirns). BSE tritt an sich nur bei Rindern auf, kann aber offensichtlich auf den Menschen übertragen werden und tritt dann dort in Form einer neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auf.
BSE wurde Ende 1984 zum ersten Mal bei einem Rind in Südengland diagnostiziert - ohne dass man zu dieser Zeit den Krankheitserreger kannte. Mittlerweile ist nahezu sicher, dass BSE durch Prionen verursacht wird. Prionen sind veränderte Formen natürlich vorkommender Eiweiße (Proteine). Die natürlich vorkommenden Prioneneiweiße sind möglicherweise an der Feinregulierung von Nervenzellen beteiligt. Verändern diese Eiweiße ihre Form, verklumpen sie und lagern sich schließlich in großer Zahl im Gehirn ab - eine zunehmende Gedächtnisschwäche und Tod sind schließlich die Folge.
Im Unterschied zu allen anderen Krankheitserregern enthalten Prionen
kein Erbmaterial. Viele Wissenschaftler waren deshalb lange Zeit der Ansicht, dass veränderte Proteine allein nicht derart verheerende Auswirkungen haben könnten. Prionen wurden erst 1987 bei der Suche nach dem Krankheitserreger von BSE entdeckt. Der Neurologe ("Nervenarzt") und Biochemiker Stanley B. Prusiner (geb. 1942) erhielt 1997 für seine Arbeiten über die Natur der Prionenkrankheiten den Nobelpreis für Medizin. Die höchste Zahl von Erregern wurde bisher im Nervengewebe erkrankter Tiere gefunden. Allerdings scheinen Erreger in geringerer Zahl auch in Mandeln, Milz und Blut vorzukommen (und hier offensichtlich an Lymphozyten gebunden). Bis Ende des Jahres 2000 sind offiziell fast 100 Menschen an der vergleichsweise neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gestorben. Seit 1998 gibt es einen BSE-Schnelltest. Als Übertragungswege werden unter anderem Tiermehl und Milchersatzprodukte verdächtigt.




Letzte Aktualisierung: 11.03.2012





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