Milzbrand (Anthrax)
Milzbrand wird durch das Bakterium namens Bacillus anthracis verursacht. Das Bakterium ist grampositiv, unbeweglich, besitzt eine Kapsel und bildet außerordentlich widerstandsfähige Sporen. Im Normalfall ist Milzbrand eine Infektionskrankheit pflanzenfressender Säugetiere wie Schafe, Rinder etc., die den Erreger mit dem Futter aufnehmen. Werden infizierte Tiere nach dem Tod untersucht, fällt besonders die vergrößerte rote Milz auf - worauf sich der Name "Milzbrand" zurückführen lässt.
Der Mensch erkrankt nur selten an Milzbrand (von 1970 bis 1979 waren es in der BRD z. B. nur 29 Fälle), und wenn, dann zumeist durch den Kontakt mit erkankten Tieren - betroffen sind daher vor allem bestimmte Berufsgruppen wie Tierärzte, Beschäftigte in der Landwirtschaft, Gerber, Scherer etc. Milzbrand gilt daher heutzutage prinzipiell eher als eine Art "Berufskrankheit".

Im Hinblick auf den Menschen sind drei Infektionswege mit entsprechenden Krankheitsbildern zu unterscheiden: Hautmilzbrand, Lungenmilzbrand, Darmmilzbrand. Alle 3 Formen sind derzeit im Prinzip mit Antiobiotika behandelbar, allerdings muss die Erkrankung vor allem beim Lungen- und beim Darmmilzbrand schnell erkannt werden.

Zu den 3 Formen des Milzbrandes im Einzelnen:

1. Hautmilzbrand

Dies ist die häufigste Form (mehr als 95 % aller Milzbranderkrankungen des Menschen). Die Infektion erfolgt durch direkten Kontakt der Bakterien mit verletzter Haut (vor allem Hände, Unterarme, das Gesicht und der Hals sind von Infektionen betroffen). Die Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Krankheitszeichen (Inkubationszeit) beträgt wenige Stunden bis zu 3 Tage. Typisches Krankheitszeichen ist zu diesem Zeitpunkt das Auftreten eines juckenden roten Bläschens (eine so genannte Papel) mit dunklem Kernbereich. Anschließend kann es durch im Körper freigesetzte Bakteriengifte zu Fieber und Kreislaufproblemen kommen. Je nach weiterem Verlauf kann es unbehandelt zur komplikationslosen Heilung oder im schlimmsten Fall - z. B. durch Atemlähmung - zum Tode des Betroffenen kommen (5-20 Prozent der unbehandelten Infektionen enden tödlich). Wird der Hautmilzbrand mit geeigneten Antibiotika behandelt, fällt die Sterblichkeitsrate auf nahezu Null.

2. Lungenmilzbrand
Der Lungenmilzbrand ist vergleichsweise selten. Die Infektion erfolgt durch das Einatmen der Milzbrandbakterien. Die Krankheitszeichen ähneln zunächst einem grippalen Infekt: Schüttelfrost, hohes Fieber. Hinzu kommen im weiteren Verlauf u. a. Kreislaufprobleme und blutiger Auswurf beim Husten. Lebensbedrohlich ist Lungenmilzbrand vor allem wegen des schnellen, aggressiven Voranschreitens der Krankheit: Unbehandelt führt Lungenmilzbrand innerhalb nur weniger Tage zum Tode. Wird die Infektion rechtzeitig erkannt, kann prinzipiell mit Antiobiotika behandelt werden. Allerdings liegt die Sterblichkeitsrate bei Lungenmilzbrand insgesamt bei bis zu 50 Prozent.

3. Darmmilzbrand
Dies ist die seltenste Form. Zu einer Infektion kommt es durch die Aufnahme von Sporen mit der Nahrung (vermutlich durch den Genuss von unzureichend erhitztem Fleisch erkrankter Tiere). Krankheitszeichen (Symptome) sind Erbrechen, starke Bauchschmerzen, blutiger Durchfall und Kreislaufversagen. Unbehandelt führt der Darmmilzbrand - wie auch der Lungenmilzbrand - rasch zum Tode. Wird die Infektion rechtzeitig erkannt, kann prinzipiell mit Antiobiotika behandelt werden. Allerdings liegt die Sterblichkeitsrate wie auch beim Lungemilzbrand insgesamt bei bis zu 50 Prozent.






Siehe auch unter:

Robert Koch



Literatur:


Internet:



Letzte Aktualisierung: 05.01.2012





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