Biologielexikon

Endosymbiontentheorie, Endosymbiontenhypothese, Endosymbiosetheorie

Was versteht man unter der Endosymbiontentheorie?
Der Endosymbiontentheorie zufolge sind die heutigen eukaryotischen Zellen mit Plastiden und/oder Mitochondrien durch folgenden Prozess entstanden:

Vorläuferzellen der heutigen eukaryotischen Zellen (Protocyten) haben vor etwa 1-2 Milliarden Jahren ursprünglich freilebende bakterienartige Einzeller(Prokaryoten) durch Phagozytose in sich aufgenommen. In der Folge bildete sich eine enge Symbiose zwischen eukaryotischer Wirtszelle und Endosymbionten aus (Symbiose: Lebensgemeinschaft zum Nutzen beider). Da es sich hier um die Symbiose innerhalb eines anderen Lebewesens handelt, spricht man von Endosymbiose (endos: innen, innerhalb).
Bei den heute lebenden eukaryotischen Zellen verfügen weder Plastiden noch Mitochondrien über genügend eigene Erbinformation, um eigenständig außerhalb der eukaryotischen Zelle leben zu können.

Was spricht für die Endosymbiontentheorie?

Für die Endosymbiontentheorie spricht aus heutiger Sicht unter anderem, dass Plastiden wie auch Mitochondrien

eine DNA besitzen, die der DNA von Bakterien ähnelt (z. B. wie bei Bakterien meistens eine Ringform aufweist).
durch Teilung nur aus ihresgleichen entstehen (autonome Replikation).
eine Hülle aus 2 Membranen besitzen, aus deren Zusammensetzung man jeweils deren Herkunft ableiten kann. Die innere Membran stammt von der ehemaligen prokaryotischen Zelle, die äußere Membran von der Wirtszelle: Die innere Membran enthält den bakteriellen Membranbaustein Cardiolipin und es fehlen typische Membranbausteine eukaryotischer Zellen (Sterole, z. B. Cholesterol). Umgekehrt enthält die äußere Membran Sterole, hingegen aber kein Cardiolipin.
eigene Ribosomen besitzen, die den Ribosomen der Bakterien ähneln (70S-Ribosomen - in eukaryotischen Zellen dagegen befinden sich 80S-Ribosomen).
eine mRNA besitzen, die bakterieller mRNA entspricht (keine Kappe an einem Ende und keine Poly-A-Sequenz am anderen Ende).
eine Translation aufweisen, die wie bei Bakterien mit Formylmethionyl-tRNA startet (bei eukaryotischen Zellen beginnt die Translation an den 80S-Ribosomen mit Methionyl-tRNA).

Wann ist die Endosymbiontentheorie entstanden?
Die Endosymbiontentheorie geht auf Überlegungen zurück, die Schimper bereits 1887 anstellte. Erst in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurden seine Überlegungen wieder aufgegriffen und gedanklich fortgeführt.

Ist die Endosymbiontentheorie nur eine unbewiesene "Theorie"?
Unter Fachleuten gilt die Endosymbiontentheorie angesichts der Vielzahl an Belegen inzwischen nicht mehr als unbewiesene Theorie, sondern als anerkannte Tatsache.




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Literatur:


Internet:



Letzte Aktualisierung: 27.12.2012


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